Zur Bedeutung von Apple für das NFC-Ökosystem – Teil 1

Seit 8 Tagen gibt es kaum einen NFC-Newsbeitrag, der sich nicht auf Apples neues iPhone 6 / 6 Plus bezieht. Die Entscheidung, mit Apple Pay in den NFC-Markt einzusteigen, hat in vielen Branchen für Begeisterung gesorgt. Und das, obwohl im Grunde bislang relativ wenig darüber bekannt ist, wie die Umsetzung verschiedener NFC-Applikationen bei Apple genau erfolgen soll. Viele Fragen sind noch unbeantwortet. Mit diesem Beitrag möchten wir daher zunächst einen Grundstein legen, um später – gestützt durch ausgewiesene Experten – die jeweilige Relevanz und Tragweite von Apple NFC bspw. für Banken, Einzelhändler oder die Anbieter mobiler Services zu diskutieren.

Kurz zu den gesicherten Fakten: Apple Pay ist eine Mobile Bezahlapplikation in iOS 8, die kontaktlose Zahlungen via NFC ermöglicht. Eingescannte (Kredit-) Karten werden vom Nutzer in Passbook abgelegt und einzelne Zahlungen über den TouchID-Sensor initiiert bzw. geschützt. Das Credential wird im Apple eigenen Secure Element gespeichert. Systempartner sind die drei großen Zahlungsverkehrsdienstleister American Express, MasterCard und VISA, die ihrerseits in den USA mit einer kompatiblen Kontaktlos-Infrastruktur von über 200.000 POS-Terminals aufwarten. Unterstütz werden zu Beginn nur das iPhone 6 / 6 Plus (in Deutschland verfügbar zu Preisen zwischen 700€ und 1000€), später sollen via Apple Watch (‚ehemals‘ iWatch) auch das iPhone 5 / 5S genutzt werden können.

So weit, so gut. Stellt man allerdings nun die Frage, zu welchen Konditionen Apple seinen Mobile Payment-Dienst in den USA anbietet oder wann Apple Pay nach Deutschland kommt, geben die im Internet kursierenden Fakten kein klares Bild ab. Zudem wird sich auch Apple nationalen Standards und Regulierungsbehörden im Zahlungsverkehr beugen müssen, was bekannter Maßen leicht zu zeitlichen Verzögerungen bei der Implementierung führen kann. Ebenso unklar ist, ob und wie es Apple zum Beispiel fremden Entwicklern erlaubt, mit neuen Apps auf die NFC-Schnittstelle im iPhone zuzugreifen. Gut möglich, dass diese zunächst dem eigenen Payment-Dienst vorbehalten ist. Zumindest für Apple wäre Payment dann eine klare NFC Killer-Applikation.

Doch selbst wenn sich Apple gewohnt restriktiv bei der Wahl gewünschter Partner und erlaubter Anwendungen zeigt (und davon ist gewiss auszugehen), so werden auch alle übrigen, Android-basierten NFC-Systeme von Apples Markteintritt profitieren. Gab es bei Android in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit der Interoperabilität verschiedener Geräte, Terminals, NFC-Tags etc., so wird Apple zeigen, dass mit klar definierten Schnittstellen innovative NFC-Prozesse ein Höchstmaß an Usability und User Experience bieten können. Und waren Apple oder bspw. PayPal bislang ausdrückliche Nicht-Befürworter der NFC-Technologie, so zeigt der aktuelle Strategiewechsel, dass es mit Bluetooth Low Energy / iBeacons allein auch nicht getan ist.

Als erstes Fazit möchten wir festhalten: Apple ist und bleibt einer der attraktivsten Marken im Mobile Business. Und Apple besitzt die Macht, neue (NFC-) Ökosysteme zu schaffen, vergleiche iTunes, die Smartphone- oder Tablet-Ökonomie. Mit welchen Partnern Apple hierzulande Verträge abschließen wird bzw. muss, um diese Erfolge auch im stationären Einzelhandel zu wiederholen, ist noch völlig offen. Ein hoher, branchenübergreifender Beratungsbedarf ist sicher und für jeden, der im NFC-Markt mit einem eigenen Produkt vertreten ist, heißt es jetzt: Vollgas geben und den neuen Hype nutzen!

Bedeutung von Apple für NFC - Quelle: Flickr, StuartWebster, CC BY 2.0

Bedeutung von Apple für NFC – Quelle: Flickr, StuartWebster, CC BY 2.0

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Eine Antwort zu “Zur Bedeutung von Apple für das NFC-Ökosystem – Teil 1

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