NFC als Chance für KMU – Gastartikel von Prof. Dr. Wolfram Höpken

Sowohl bei Verbrauchern als auch bei Firmen stößt der Einsatz von NFC vor allem bei Bezahlvorgängen nach wie vor auf Skepsis und wenig Akzeptanz. Dabei sollte man jedoch im Auge behalten, dass wir in diesem Bereich am Anfang einer Entwicklung stehen, die nicht nur für große Unternehmen viel Potenzial bedeutet.

Obwohl gerade NFC-basierte Zahlvorgänge schnell und einfach funktionieren, spielt Mobile Payment im Handel nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Die Kunden sind häufig im Zweifel, ob solche Datenübertragungen wirklich risikofrei funktionieren. Hier muss viel stärker auf Sicherheitsaspekte der Technologie und weitere Vorteile wie einfache und effiziente Abwicklungen hingewiesen werden. Es muss vermittelt werden, dass persönliche Daten geschützt bleiben und dass beim Bezahlen kein Risiko besteht.

Andererseits fehlt noch vielen Geschäften die Ausstattung für den Einsatz von NFC. Dabei ist das Verfahren gerade für kleinere Unternehmen ideal, da die Transaktionskosten niedriger sind als bei herkömmlichen Kartenzahlungen und die Ausrüstung einfach und günstig zu beschaffen ist. Der Händler muss auch wissen: Mobile Payment hat sich zwar noch nicht durchgesetzt, ist aber ein Zukunftstrend. Er kann ihn dazu nutzen, sich als Vorreiter einer neuen Technologie zu präsentieren.

NFC kann also als Alleinstellungsmerkmal dienen, denn im Mittelpunkt steht das besondere Erlebnis – etwas, das die Konkurrenz meist (noch) nicht hat. Ladenbesitzer oder Dienstleister können diese Chance nutzen und bestehende Kunden durch Innovation und Kreativität verblüffen sowie neue Zielgruppen erschließen. Vor allem junge und technik-affine Konsumenten werden durch innovative Technologien angezogen. Durch NFC erleben sie Geschäftsabläufe, die (technik-)verspielt sind und Spaß machen, das Einkaufen wird leichter und attraktiver. Schon aus Neugierde können Kunden ein Geschäft aufsuchen, wenn auf raffinierte und effiziente NFC-Ausstattungen aufmerksam gemacht wird.

Ein Beispiel aus Großbritannien zeigt, wie sich pfiffige Ideen umsetzen lassen: Die Biermarke Guinness hat 20 Bars mit einem speziellen NFC-fähigen Zapfhahn ausgestattet und lädt zu einem Gewinnspiel ein. Dabei wird einfach mit einem NFC-fähigen Smartphone auf das Logo am Zapfhahn getippt und mit etwas Glück erhält man ein kostenloses Pint des beliebten Bieres. Nebenbei verfolgt ein Analyse-Tool den Erfolg der Kampagne. Die Einzelhandelskette Casino in Frankreich brachte auf den Preisschildern ihrer Ladenregale NFC-Tags an, die Rezepte oder Informationen über Inhaltsstoffe sowie Hinweise für Allergiker oder Diabetiker anbieten.

Neben zeitsparenden Bezahlvorgängen erhält der Kunde durch NFC-Tags auf Plakaten oder Print-Medien Produktinformationen als Text, Audio oder Video, elektronische Tickets, Rabatte und Gutscheine. Veranstaltungstermine oder Adressen lassen sich einfach durch das Aneinanderhalten von zwei NFC-Geräten übertragen. Kundendienst-Kontaktdaten oder Garantiezertifikate direkt am Gerät sorgen für das Image eines sachkundigen, innovativen Unternehmens.

Im internen Bereich sind zum Beispiel die inzwischen wohlbekannten Zugangskontrollen zu erwähnen, aber auch die Gütertransportüberwachung wird mit NFC vereinfacht: dabei liest der Empfänger Daten einfach mit dem Smartphone aus, ein spezielles Lesegerät braucht es nicht mehr. Interessant ist dies vor allem für kleine und mittlere Unternehmen, denen ein RFID-System zu teuer ist.

700 Millionen NFC-fähige Endgeräte sollen im Jahr 2016 auf dem Markt sein. Trotz zögerlicher Nutzung der Technologie in Deutschland sollten auch KMU den Mehrwert durch vereinfachte Abläufe, effektvolle Informationssysteme und einen Imagegewinn für sich nutzen. Denn ohne Zweifel wird auch das Geschäftsleben in der Zukunft ohne Smartphones und seine Verwendungsmöglichkeiten nicht denkbar sein.

Kontaktloser Datentransfer via NFC - Leitfaden des eBusiness-Lotsen Oberschwaben-Ulm

Kontaktloser Datentransfer via NFC – Leitfaden des eBusiness-Lotsen Oberschwaben-Ulm

Über den Autor: Wolfram Höpken (XING) ist Professor für Wirtschaftsinformatik und E-Business an der Fakultät für Elektrotechnik der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Dort leitet er zudem den eBusiness-Lotsen Oberschwaben-Ulm (www.ebusiness-lotse-oberschwaben-ulm.de). Seine Forschungsschwerpunkte sind Business Intelligence und Data Mining, Semantic Web & Interoperabilität sowie mobile Dienste. Prof. Dr. Höpken war und ist an EU-geförderten Projekten im Bereich Semantic Web und Harmonisierung des Datenaustauschs im Tourismus beteiligt. Wolfram Höpken war über 10 Jahre Vize-Präsident und Commercial Director von IFITT und ist Präsident von HarmoNet. Er war Chair des Research Tracks der ENTER-Konferenz 2009 und ist Overall Chair der ENTER-Konferenz 2014.

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