NFC in Deutschland – Fazit zum MasterCard NoCash Summer, Teil 2

10 Tage leben ohne Bargeld, ausgestattet nur mit einer kontaktlosen Kreditkarte. Für mich Selbstversuch, Marktstudium und Projektbewertung zugleich. Im zweiten Teil meines Fazits geht es unter anderem um die Frage, welche Mehrwerte von NFC und Mobile Payment-Lösungen kommuniziert werden müssen, damit das Thema endlich den Verbraucher erreicht.

Denn sowohl in der Realität als auch in den Medien ist NFC im deutschsprachigen Raum noch nicht dort angekommen, wo es eigentlich längst hätte sein sollen. Dies hat seine Gründe, über die Jahre gesehen allen voran in der nicht einheitlichen Vermarktung und schwierigen Verargumentierung. Dass das Bezahlen mit Bargeld ein nicht hinnehmbares Hygiene-Risiko darstellt, finde ich schwer positiv zu vermitteln. Die Kosten für das Cash Handling bei Banken und Händlern interessieren den Endanwender nicht. Und Menschen der Generation 35+ mit Tanzshows für ein neues Bezahlsystem zu begeistern, funktioniert zumindest bei mir nicht.

Es gilt also, das vom Handling her wirklich ausgesprochen bequeme Tap&Go Payment bodenständig, mehrwertorientiert und allen voran kontextspezifisch sinnvoll zu präsentieren. Zwei Croissants und eine Cola plus Pfand bei meinem Lieblingsbäcker morgens im Hauptbahnhof, macht 4.35EUR. Der Bankautomat hat mir zuletzt zwei 50EUR-Scheine ausgegeben – und das Drama nimmt seinen Lauf. Für den Kunden gut erreichbare Contactless Terminals wären in dieser Situation für alle Beteiligten eine extreme Erleichterung. Im Kaufhaus spielen ein paar Sekunden Zeitgewinn beim Bezahlen nebst Entsichern und Verpacken der Einkäufe hingegen de facto keine Rolle.

Wie könnten also Mobile Payment-Lösungen anreizkompatibel verpackt werden? Was sicher immer funktioniert, sind klassische Marketing-Tools, wie zum Beispiel Couponing als monetäres Anreizsystem. Werden zudem alle Einkäufe (bedarfsorientiert kontaktlos) mit einer einzelnen Multi Application-Karte bezahlt, hat der Verbraucher einen perfekten Überblick über seine Ausgaben. Voraussetzung, er kontrolliert seinen Kontostand regelmäßig online.

In der Folge sehe ich eine große Chance für echte Mobile Wallets auf dem Smartphone. Können dort alle persönlichen Zahlkarten inkludiert werden und nutzt der Kunde ausschließlich NFC Proximity Payment für Kleinbeträge, findet er in seiner Mobile Wallet eine übersichtliche Kostenhistorie. Womöglich inklusive digitalisierter Kassenbons für spätere Garantieansprüche (Achtung: Kundenmehrwert). Als Netzwerktechnologie bietet NFC-Payment zudem eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, nützliche Brücken zwischen bisher getrennten Ökosystemen zu bauen. Beispiele finden sich in Bereichen wie Hospitality, intermodaler Mobilitätsmix oder zukünftigen Smart City Szenarien.

Was mir ebenfalls aufgefallen ist: Das Kassenpersonal war immer begeistert, wenn ich als Kunde – zumeist ja erstmals erfolgreich – kontaktlos am POS-Terminal bezahlt habe. Gleiches galt für manch älteren Beobachter in der Warteschlange. Junge Menschen bei McDonalds (im Test eine sichere Anlaufstelle für Mobile Payment) begeisterte die kontaktlose Karte jedoch herzlich wenig. Über kurz oder lang führt also auch für die etablierten Marktteilnehmer kein Weg an einer (eigenen) Mobile Wallet Strategie auf dem Handy vorbei.

Für die Anbieter von kartenbasierten Bezahllösungen wird 2014 daher ein strategisch wichtiges Jahr. Wer spätestens dann beim Thema Payment nicht Smartphone-, NFC- oder Cloud-ready ist (und sei es nur medial in Form von eigenen Pilotprojekten), wird den Vorsprung der Konkurrenz in der Wahrnehmung beim Verbraucher nicht mehr aufholen können. So lautet auch meine klar negative Prognose für den einstigen Innovationsführer aus Cupertino mit seinen typischen Closed-Loop-Ansätzen. Selbst Apple kann nicht das gesamte Payment-Ökosystem enablen beziehungsweise kontrollieren und wird folglich nur noch Marktnischen bedienen können.

Mein abschließendes Fazit: NFC Touch Points müssen bei jeder Anwendungsart für den Nutzer klar sichtbare Entry Points darstellen, die mehrwertorientiert ein konkretes Problem des Verbrauchers lösen. Reine Marketing-Floskeln werden beim Thema Bezahlen nicht greifen und nicht für das notwendige Maß an Vertrauen und nachhaltiger Nutzungsakzeptanz sorgen.

Mein Vorschlag: Da niemand der bekannten Player das nächste Facebook respektive die Killerapplikation des Mobile Payment kreieren wird, probieren sie es doch bitte in kleinen, robusten Schritten mit einfachen, ehrlichen NFC-Applikationen. Und das bitte recht bald. Mobile Payment sowie eine Handvoll weiterer NFC-Angebote in 2013 und der Markt wird in 2014 schnell entscheiden, was ihm gefällt und welche Option ausgebaut werden soll. Das spart im Lern- und Innovationsprozess kurzfristig Zeit, mittelfristig viel Geld und wie zuletzt das Kickstarter Projekt ‚NFC-Ring‘ gezeigt hat: Es sind die einfachen Dinge, die den (Medien-) Menschen gefallen.

NFC auf dem iPhone bleibt Wunschdenken - Quelle: Flickr, Jason Howie, CC BY 2.0

NFC auf dem iPhone bleibt Wunschdenken – Quelle: Flickr, Jason Howie, CC BY 2.0

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