FeliCa, das japanische Pendant zu NFC – Gastartikel von Thomas Lerner

Ende der 90er Jahre entwickelte Sony ein kontaktloses RFID Smart Card-System. Sein Name Felicity-Karte, vergleichbar mit den hier vorhandenen NFC-Karten, das erstmals in der Octopus-Karte auf Kowloon in Hongkong erfolgreich im öffentlichen Nahverkehr zum Einsatz kam. Bei dieser Technik werden Transaktionen zwischen FeliCa-Karte/Chip und Lese- beziehungsweise Schreibgerät ermöglicht, um Daten lesen und schreiben zu können. Die Funktionsweise ist nahezu analog zur NFC-Technik. Zum Lesen und Schreiben wird die FeliCa-Karte nah an das Lesegerät gehalten. Die Karte respektive der FeliCa-Chip enthalten einen IC-Chip und eine Antenne, die von den elektromagnetischen Signalen des Lesegeräts die erforderliche Energie erhält.

Die Datenverarbeitung zwischen Karte und Lesegerät ist innerhalb von nur 0,1 Sekunden abgeschlossen. Die mögliche Datentransferrate liegt zwischen 212 kbit/Sekunde und 424 kbit/Sekunde. Durch die Hochgeschwindigkeitsverarbeitung ist die FeliCa-Technik für Anwendungen im Zugangsbereich mehr als geeignet. Die Sicherheitstechnik basiert hier auf einem sicheren Schlüsselmanagement-System. Die Kommunikation zwischen Karte/Chip und Lesegerät ist verschlüsselt durch einen zufällig erzeugten Schlüssel. Solche Schlüssel können durch individuelle Kartenanwendungen gegen Angriff erzeugt werden. Die FeliCa-Karte/Chip unterstützt unterschiedliche Services auf einer einzelnen Karte/Chip. Durch unterschiedliche Schlüssel wird die Sicherheit für unterschiedliche Services mit der gleichen Karte/Chip garantiert.

Allerdings ist der Erfolg von der japanischen Variante des Mobile Payment nicht erklärbar ohne den Vorläufer bei Japan Rail East (JR East). In Zusammenarbeit zwischen Sony und der JR East wurde das kontaktlose Bezahlsystem Suica im Jahre 2001 in der Metropolregion Tokio eingeführt. Innerhalb von 10 Jahren steigerten sich die Nutzerzahlen von Suica von 6 auf 15 Millionen, unter anderem durch die wachsende Akzeptanz von Händlern und damit zusätzliche Mehrwertdienste in und rund um Bahnhöfe. Im September 2011 sollen laut JR East insgesamt 33,6 Millionen kontaktlosen Karten im Umlauf gewesen sein. Im Jahr 2004 führte NTT DoCoMo den FeliCa-Chip auf mobilen Endgeräten ein und integrierte eine Wallet-Anwendung. Das führende japanische Telekommunikationsunternehmen reduzierte damit die Anzahl der Karten in den Geldbörsen der Japaner und setzte sich damit als Intermediär beim Zahlvorgang zwischen den Kunden und Händler (Bestandteil ihrer Lifestyle- Strategie).

Bei der Umsetzung sind Services wie mobiles Geld/Wallet, Ticketing, Mitglieds- und Sicherheitsausweise gleichzeitig eingeführt worden. Nach 7 Jahren im Jahr 2011 sind mehr als 60 Millionen Endgeräte (davon 35 Millionen NTT DoCoMo, 10 Millionen KDDI und weitere 10 Millionen Softbank) in Japan mit dem FeliCa-Chip ausgestattet, wobei 18 Millionen Kunden sowie 70 Firmen den Osaifu-Keitai-Service regelmäßig nutzen. Die Plattform- und Allianzstrategie-Empfehlungen vom Mastermind von Osaifu-Keitai für ein erfolgreiches NFC Mobile Payment-Geschäftsmodell lauten daher:

Analysiere Unbequemlichkeiten, Unzulänglichkeiten und unbefriedigende Situation im Alltag, zum Beispiel: Warum trage ich so viele Karten in meinem Portemonnaie? Baue dann ein Ökosystem auf, in welchem alle Teilnehmer (also Mobilfunkanbieter, Händler, End-/ Lesegerätehersteller, Kartenunternehmen, etc.) der Wertschöpfungskette auch Gewinne erzielen und löse das Henne-Ei-Problem (Mehrseitige Plattformtheorie). Schlussendlich muss jedoch ein Partner des Ökosystems das Gesamtrisiko tragen (um das Anfangsrisiko und damit die anderen Teilnehmer abzusichern), das Ökosystem aufbauen und koordinieren. Erst dann wird es auch in Deutschland, Europa oder den USA ein erfolgreiches, auf NFC-basierendes, Mobile Payment Geschäftsmodell geben.

FeliCa - erfolgreiches NFC-Pendant in Japan - Quelle: Flickr, OiMax, CC BY 2.0

FeliCa – erfolgreiches NFC-Pendant in Japan – Quelle: Flickr, OiMax, CC BY 2.0

Über den Autor: Thomas Lerner (XING), Jahrgang 1964, studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Mainz und absolvierte an der Haas-Business School in Berkeley, Kalifornien, eine Executive Masterclass im E Commerce. Er ist seit 1994 im Zahlungsverkehr und seit 1999 im Mobile Business in zahlreichen Projekten und Veröffentlichungen (u. a. 4 Bücher) tätig. Ende 2012 erschien sein letztes Werk Mobile Payment bei Springer Vieweg. Er ist national und international (u. a. Kuala Lumpur) in diesem Thema als Berater und Trainer in verschiedenen Branchen unterwegs. Gemeinsam mit Thomas Geiss erhielt er 2003 einen UMTS-Innovationspreis von Vodafone und dem Land Hessen.

Advertisements

Eine Antwort zu “FeliCa, das japanische Pendant zu NFC – Gastartikel von Thomas Lerner

  1. Pingback: Unsere Gast-Autoren von A bis Z | CNM-Hannover | NFC·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s