Zur Geldkarte kontaktlos ‚girogo‘ mit NFC

Dank der neuen Geldkarte können Kunden der Sparkassen und Volksbanken seit knapp einem Jahr im Großraum Hannover kleinere Geldbeträge an immer mehr Akzeptanzstellen schnell und bequem kontaktlos bezahlen. Mit bunter PR angekündigt und in den Innenstädten kräftig beworben, zeigen die mittlerweile veröffentlichten Statistiken ein eher tristes Bild. Die Nutzungshäufigkeit war und ist recht bescheiden und entsprechend fällt die Bewertung der teilnehmenden Handelspartner aus. Auch die zuletzt kommunizierten Zahlen für den regulären Geldkartengebrauch zeigen nach unten. Wo also steht girogo ein Jahr nach dem offiziellen Projektbeginn?

Um dies gleich vorwegzunehmen: Auch im CNM-Netzwerk gibt es wohl mehr Kritiker als Befürworter von kartenbasierten, nationalen Prepaid-Lösungen. Doch wir wollen dem Medium eine Chance geben. Der Grund hierfür ist einfach: Aus Sicht des Verbrauchers sind allen voran physische Bankkarten ein etabliertes Zahlungsmitten und Banken vertraute Finanzdienstleister. Alles, was über diese Institution am elektronischen Zahlungsverkehr an weiteren Unternehmen beteiligt ist, bleibt dem normalen Bürger weitestgehend verborgen und ist für ihn in der Regel auch vollkommen uninteressant.

Auf der CeBIT präsentierte EURO Kartensysteme, Kommunikationsdienstleister der Deutschen Kreditwirtschaft und damit für das girogo-Marketing verantwortlich, letzte Woche neues Zahlenmaterial zur Verbreitung und Akzeptanz von girogo. Nun traue man besser nie leichtgläubig einer fremden Statistik, doch egal, ob ein Drittel oder nur ein Viertel aller Befragten beispielsweise den Begriff girogo korrekt zuzuordnen wussten: Im Vergleich zu den NFC-Payment Angeboten der Mobilfunkunternehmen und Kreditkartenorganisationen dürfte dieser Prozentsatz sehr hoch sein.

Das Bekanntheit nicht mit regelmäßiger Nutzung gleichzusetzten ist, darf nicht vergessen werden. Allerdings setzt es schon das altbewährte AIDA-Modell der Werbewirkungsforschung den Faktor Aufmerksamkeit als einen wichtigen Bestandteil späterer Markterfolge voraus. Ein großer Name samt First Mover Advantage kann indes auch Gegenstimmen mit sich ziehen. Dies ist nicht ungewöhnlich, wenn technologische Innovationen plötzlich Veränderungen für gelernte Verhaltensmuster bedingen. Bezüglich der Themen Akzeptanz, Datenschutz und offene Kommunikation mussten die girogo-Verantwortlichen also einiges an Lehrgeld bezahlen.

Welche Hausaufgaben sollten dringend gemacht werden? Allen voran muss unternehmensübergreifend der Service verbessert werden. Aus Kundensicht handelt es sich hierbei allen voran um die Bezahlsituation an der Kasse. Anders formuliert: Der Handel muss weiter vom Mehrwert kontaktloser Bezahlsysteme überzeugt werden, denn auch hier entstehen Kosten für IT-Umrüstung, PR-Maßnahmen, Personalschulung, etc., die vom Handel zu tragen und anzugehen sind. Geht dies nicht allein durch die Erklärung des Bargelds zum gemeinsamen Feind, so bedarf es intelligenter Mehrwerte und attraktiver, geteilter Kanäle zur Kundschaft.

Natürlich entsteht hier ein gewisses Potenzial für die Mobilfunkanbieter, die mit ihren Mobilen Wallets eine Vielzahl von Komfort-Funktionen und Added Values abbilden können. Allerdings wären die Akteure der NFC Mobile Payment-Fraktion wohl gut beraten, endlich ein zentral organisiertes Sprachrohr zu bilden und gleichsam auch für die Fragen und Anliegen der Verbraucher verfügbar zu sein. Bislang bleibt diesen nur die sporadische, häufig schwarz-weiß gezeichnete Berichterstattung in den Publikumsmedien. Auf diese Weise werden es Google, PayPal und andere Global Player der Internetwirtschaft allzu leicht haben, manch neuen Payment-Dienstleister gleich wieder aus dem Rennen zu werfen.

Was also bleibt? Allen voran die Erkenntnis, dass der Weg zum Mobile Payment in Deutschland noch ein weiter ist und das vielleicht nicht der erste, günstigste oder flippigste Anbieter das Rennen macht – wohl aber der mit dem längsten Atem. Der girogo-Infopoint in der Innenstadt von Hannover hat dieser Überlegung zum Trotz seine Türen leider bereits wieder geschlossen.

Mehr Informationen zu NFC auf Der Handel und CNM-Hannover.

Girogo und NFC - Tanz der Gefühle!? - Quelle: CNM, CC BY-SA 3.0

Girogo und NFC – Tanz der Gefühle!? – Quelle: CNM, CC BY-SA 3.0

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