Die Bahn kommt! Mit Touch&Travel und NFC

Zu Beginn dieser Woche hat die Deutsche Bahn ihr Touch&Travel Ticketsystem um die Möglichkeit des NFC-gestützten Check-in und Check-out erweitert. Zusätzlich rollt der Rhein-Main-Verkehrsverbund das T&T-Angebot auf sein gesamtes Tarifgebiet mit über 11.000 Haltestellen und 25.000 multifunktionalen Kontaktpunkten aus. War es bei der Bahn zwischenzeitlich still um das Thema NFC geworden, wird nun Mobile Ticketing und fortschrittliches Reisen auch in der BRD tatsächlich Realität.

Touch&Travel ist ein innovatives Handy-Ticketing-System und richtet sich an Bahnkunden, die in verschiedenen, öffentlichen Verkehrsmittel auch kurzfristig wechselnde Destinationen ansteuern und nicht über ein kombiniertes Monatsticket verfügen. Spannend sind bei T&T zwei Funktionen: Zum einen erfolgt die Abrechnung der Fahrtkosten monatlich per Lastschrift. Retrospektiv wird dabei für den Kunden der günstigste Fahrpreis durch eine intelligente Kombination verschiedener Fahrkarten im Nah- und Fernverkehr ermittelt. Folglich muss der Bahnreisende keine speziellen Informationen mehr über einzelne Tarifzonen vor Fahrtantritt einholen.

Zum anderen basierte T&T als erste, ernstzunehmende Anwendung in Deutschland bereits in der Konzeptions- und Testphase auf der Einbindung von NFC. Hierzu ein kurzer Rückblick: Im Jahr 2007 und in Kooperation mit Vodafone D2 auf der CeBIT präsentiert, begann im Anschluss eine ausgedehnte, zweistufige Pilotphase. Phase 1 mit 200 handverlesenen Testkunden und eigens hierfür erworbenen Motorola MOTOSLVR L7nfc Telefonen, Phase 2 ab Anfang 2009 mit mehr Strecken, vierstelligen Nutzerzahlen und dem Samsung Star NFC (bei Amazon als S5230 ohne NFC nach wie für ein günstiger Topseller). Auch das Kulturprojekt RUHR.2010 wurde in die Pilotphase eingebunden und die Deutsche Bahn damit zum vielversprechenden NFC-Pionier. Seit knapp zwei Jahren befindet sich T&T nun im bundesweiten Regelbetrieb – allerdings ohne die Möglichkeit, den namensgebenden Touchpoint via NFC zu nutzen.

Was war passiert? Das NFC-Ökosystem war Anfang 2011 nicht derart entwickelt, dass sich seitens der Bahn ein Aufschalten der Nahfunktechnologie hätte rechtfertigen lassen. Als Transportunternehmen war es eben nicht Aufgabe der DB, das NFC-Ökosystem auf eigene Kosten wie in der Testphase weiterzuentwickeln. Zudem würden sich extra für das Bahnfahren kaum genug Kunden ein neues Mobiltelefon mit NFC-Chip kaufen. Ebenso zeigt dies, dass ein einzelnes Unternehmen, gleich welcher Größe und Attraktivität für angeschlossene Dienstleister, systemisch nicht relevant genug ist, um eine Netzwerktechnologie wie NFC zu enablen.

Musste der normale Bahnkunde also bis letzte Woche zur Positionsbestimmung bei T&T am Handy einen neunstelliger Nummerncode eingegeben oder einen QR-Code scannen, genügt es nun, bei aktivierter T&T-App einen der vielen blauen Touchpoints auf dem Bahnsteig mit dem NFC-Smartphone zu berühren. Mehr bedarf es für das Ein- und Aussteigen beziehungsweise für spontanes, entspanntes Reisen mit der DB, im RMV und weiteren, angeschlossenen Verkehrsbetrieben nicht mehr.

Spannend bleibt noch die Frage, wie das neue NFC-Ticketing vom Kunden wahrgenommen wird und wie sich die Verbreitung von T&T anbieter- wie nachfragerseitig entwickelt. Als Vielfahrer nutzen wir T&T seit langem und wissen, dass selbst manch Kontrolleur das System noch recht fremd ist, was auf eine insgesamt vergleichsweise geringe Nutzerzahl schließen lässt. Zudem hat die Deutsche Bahn in den letzten Jahren auch ihr konventionelles Mobile Ticketing-Angebot kräftig ausgebaut. Der Erfolg von T&T wird sich jedoch sehr schnell einstellen, sobald der Bahnfahrer auch andere NFC-gestützte Dienstleitungen im Alltag konsumieren kann und sich dadurch relevante Nutzeneffekte und Mehrwerte einstellen.

Mehr Informationen zu NFC auf Touch&Travel und CNM-Hannover.

Die Bahn kommt! Mit Touch&Travel und NFC – Quelle: Flickr, angermann, CC BY-SA 2.0

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