200.000 NFC-Sticker bis zum Mobile World Congress

Das größte Sparkasseninstitut Europas, die spanisch Bank La Caixa, beginnt diesen Monat mit der beschleunigten Ausgabe von NFC-Bezahlstickern in der Metropolregion Barcelona. Binnen drei Monaten sollen damit rund 200.000 eigene Kunden in den Genuss des schnellen Bezahlens am Point of Sale kommen können. Passend zum Mobile World Congress, dem alljährlichen Megaevent der Mobilfunkbranche, wäre Barcelona damit einer der NFC-Hotspots in Europa schlechthin. Wenngleich nicht direkt beim Rollout involviert, so wird auch die GSMA als Spitzenverband der Mobilfunker das Thema NFC entsprechend stark in den Mobile World Congress 2013 integrieren. Warum nun diese einfache NFC-Lösung für das NFC-Ökosystem ein wichtiges Ereignis ist, erklären wir im folgenden Artikel.

Zunächst weitere Hintergrundinformationen: Das Thema Mobile Payment ist für La Caixa nicht neu. Gemeinsam mit Partnern wie Telefonica, Gemalto und Samsung hat die Bank bereits 2010 in einer Kleinstadt unweit von Barcelona erfolgreich einen NFC-Trial durchgeführt. Wenngleich die bei solchen Innovationsprojekten und Machbarkeitsstudien kommunizierten Ergebnisse immer kritisch zu hinterfragen sind, so haben Transaktionshäufigkeit und Bonhöhe im Testverlauf unbestreitbar deutlich zugenommen.

Bei der aktuell präsentierten Bezahllösung handelt es sich indes nicht um Mobile Payment im eigentlichen Sinne. Spezifiziert gemäß EMVCo und mit VISA als Projektpartner, so fehlt in diesem Ansatz doch ein Mobilfunkoperator, um den Weg zur echten Mobile Wallet zu ebnen. Eine NFC-SIM-Karte wird also ebenso wenig adressiert, wie Anbieter von Couponing- und Loyalty-Programmen. Allerdings werden diese Funktionen sicher in ähnlicher Form über die zugehörige Handy-App abgebildet. Eine direkte Kommunikation zwischen dem NFC-Sticker und einem Secure Element auf dem Mobiltelefon findet bei dieser Stickerlösung aber nicht statt. Für die Entwicklung des NFC-Ökosystems sind jedoch auch diese einfachen Ansätze in vielerlei Hinsicht wichtig und wertvoll.

Zum einen wird als Market Pull weiter Druck auf die Hersteller von POS-Terminals aufgebaut, ihre Geräte mit eine Kontaktlos-Schnittstelle auszustatten. In Spanien sollen bereits 50.000 Einzelhändler über die neue POS-Technologie verfügen. Dies ist auch damit zu erklären, dass in Ländern wie Frankreich, Italien oder eben Spanien das Bezahlen mit Kreditkarte deutlich bekannter ist, als in Deutschland. Unabhängig von der NFC-Gesamtthematik kommen daher auch mehr kontaktlose Kreditkarten zum Einsatz und sorgen somit in der Folge für eine entsprechende Verbreitung der Infrastruktur.

Zum anderen registriert der Verbraucher bei den technisch vergleichsweise einfachen Stickerlösungen sehr schnell, dass sich um ihn herum etwas verändert. Erreicht werden dabei nicht nur einige wenige Early Adopter, sondern nicht zuletzt bedingt durch die hohe Fallzahl auch weniger technologieaffine Anwender, die im Vergleich die deutlich größere Kundengruppe darstellen. Überdies haben wir in eigenen Versuchen etwas Interessantes festgestellt: Anders als bei Smartphones mit integriertem NFC-Chip, ist ein auf der Rückseite befestigter NFC-Sticker weithin sichtbar und wir beim Bezahlvorgang am POS auch von umstehenden Kunden besser und länger als Teil einer neuen, mobilen Bezahltechnologie registriert. Soziale Sogwirkungen und der Wunsch, etwas Neues zu besitzen, können die Verbreitung einer technologischen Innovation also deutlich beschleunigen.

Strategisch ist am Beispiel La Caixa zu erkennen, dass für ein lebendiges NFC-Ökosystem zunächst Pilotregionen entwickelt werden müssen, um neben technischen Aspekten insbesondere die Aufmerksamkeit beim Verbraucher zu entwickeln. Natürlich wird von internationaler Seite auch nach Deutschland geblickt, das in Sachen NFC bislang weitestgehend unbesetzt ist. Bezüglich kontaktlosem Bezahlen gibt es allerdings auch hierzulande einige Projekte und ist die Stadt Hannover ist mit girogo ein gutes Beispiel. Zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass für NFC alsbald andere Großstädte wie Berlin, Hamburg oder München als Pilotregion definiert werden, um die skizzierten Größenvorteile und Synergieeffekte auch kommunikationsseitig effizient nutzen zu können.

Mehr Informationen zu NFC auf NFC Times und CNM-Hannover.

MWC in Barcelona 2013 mit viel NFC - Quelle: Flickr, LGEPR, CC BY 2.0

MWC in Barcelona 2013 mit viel NFC – Quelle: Flickr, LGEPR, CC BY 2.0

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